Seelenrückholung

 

Der Begriff Seelenrückholung ist etwas irreführend. Er meint eigentlich das Zurückholen eines verlorengegangenen Teils der Seele.
Die Vollständigkeit der Seele stellt einen Idealzustand dar, den praktisch niemand erreicht. Teile der Seele verlieren wir durch Umstände, die uns im wahrsten Sinne des Wortes beeindrucken.
Traumata körperlicher oder geistiger Art, der Verlust von Angehörigen oder Partnern, alle möglichen Geschehnisse sind in der Lage uns Seelenteile zu entreißen.
Freiwillig geben wir Teile unserer Seele auch an unsere Familie, an Freunde und Arbeitskollegen genauso wie wir Seelenteile der Menschen unserer Umgebung haben.
In der schamanischen Vorstellung ist alles beseelt. Daraus folgt, daß wir auch Seelenteile eines Ortes, eines Hauses oder unseres Haustiers haben können und sie von uns.
Empathische Zeitgenossen, labile Leute, Herrschaften, die sich gut in andere „Hineinversetzen“ können, verdanken diese Eigenschaft Ihrer Fähigkeit Seelenteile einzusammeln. Für diese Gruppe ergibt sich allerdings das Problem Ihre „Offenherzigkeit“ zu gegebenem Anlass auch kontrollieren zu können.

Seele = Psyche ?

Eigentlich nicht.
Ich verstehe die Seele als das was übrigbleibt wenn unser Körper und damit auch unser Verstand, unsere Psyche den Weg alles Irdischen gegangen ist.

Ist unsere Seele nun derart „abgemagert“, daß wir sagen: es fehlt mir etwas, sollte man jemanden aufsuchen, der das Fehlende zurückholt. Womit wir bei der schamanischen Seelenrückholung wären.

Rein technisch ist eine Seelenrückholung kein Problem. Der Schamane begibt sich in Trance und ortet mit Hilfe seiner spirits das verlorene Seelenteil.
Zusätzlich sind allerdings einige Fragen zu klären:

Warum hat sich das Seelenteil verabschiedet?
In welchem Alter ist das geschehen?
Ist das Seelenteil bereit zurückzukommen?
Stellt es Bedingungen?
Erscheint das Seelenteil gesund und vital?
Wie präsentiert sich das „setting“ des Rituals der Rückholung?

Sind diese Details positiv geklärt, kann das Ritual der Seelenrückholung beginnen.

Die Extraktion bei der Seelenrückholung

Gehen wir einmal eher mechanistisch davon aus, daß dort, wo das Seelenteil einmal war, ein „Loch“ entstanden ist.
Dieses Loch neigt dazu sich zu füllen, quasi dem Unterdruck nachzugeben.
Wer oder was sich dort hinein setzt, entzieht sich zunächst oft unserer Kenntnis. Nicht immer ist „es“ freundlich und nett. „Es“ kann alles mögliche sein, z.B. merkwürdige Verhaltensmuster ( so kenn ich mich gar nicht ), bis hin zu Wesenheiten, die eher parasitär geprägt sind.
Das Seelenteil, welches wir lokalisiert haben benötigt natürlich einen gewissen Raum. Es ergibt sich also häufig, dafl der Schamane zuerst das „Es“ zu entfernen hat, damit das Seelenteil auch Platz hat. ( siehe Exkurs Extraktion )
Ist der Boden bereitet und bereinigt wird das Seelenteil „eingeblasen“.
Der Schamane gibt durch das Einblasen dem luftigen Charakter der Vorgänge eine gewisse Manifestation, den Übergang von der nichtalltäglichen Wirklichkeit in die gemeine Realität.

Aufgaben des Klienten

Ist die Lokalisierung des Seelenteils, die evt. nötige Extraktion sowie das Einblasen des Seelenteils durch den Schamanen erfolgreich abgelaufen, stellt sich die Frage: was nun?
Das Seelenteil muß Gelegenheit bekommen, sich in der zunächst fremden Umgebung zurechtzufinden.
Der Klient sollte sich im Klaren darüber sein, dafl die etwas selbständig gewordenen Seelenteile einer intensiven Zuwendung bedürfen und daß sich der Alltag dadurch etwas verschieben kann.
Die Bedürfnisse der Seelenteile kennenlernen und berücksichtigen soll einen gewissen Raum im Leben einnehmen. Ein kleines Ritual kann dabei hilfreich sein.
Gelegentlich geschieht es auch, dafl man urplötzlich verändert auf Alltagssituationen reagiert. Vielleicht durch eine Zunahme an Selbstwertgefühl oder ähnlichem.
So unterschiedlich und individuell die folgende Zeit auch abläuft, es ist ein Schritt in Richtung Selbstverwirklichung im wahrsten Sinne des Wortes.